Wer wir sind
Die Paulo Freire Gesellschaft e. V. (PFG) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein der Bildungsarbeit. Unsere Schwerpunkte liegen in der Friedenspädagogik und Erinnerungsarbeit sowie im Bereich der Fortbildung pädagogischer Fachkräfte für eine kritische und emanzipatorische Bildung im Geiste von Paulo Freire.
In Deutschland und Europa begleiten wir Menschen im schulischen und außerschulischen Bereich beim Umgang mit den Herausforderungen der Migrationsgesellschaft und schaffen Räume für kritische Auseinandersetzung mit Erinnerungsarbeit – im vereinigten postkolonialen Deutschland.
In Lateinamerika begleiten wir verschiedene Netzwerke von Pädagog*innen aus Kita, Schule und Hochschule in der Umsetzung einer emanzipatorischen Bildung auf der Grundlage der pädagogischen Arbeit von Paulo Freire. In Afrika fördern wir vor allem soziokulturelle Dialoge zu Themen psychischer Gesundheit, zu gesundheitlicher Präventionsarbeit und zum Dialog zwischen verschiedenen Wissensformen.
Die Paulo Freire Gesellschaft lebt von ihren Mitgliedern, die ihre Erfahrungen auf unterschiedliche Weise einbringen und immer wieder neue Impulse setzen. Wir freuen uns auch über neue Mitstreiter*innen!
Wie wir arbeiten
Wir arbeiten mit innovativen Bildungskonzepten – interdisziplinär und grenzüberschreitend. Wir kooperieren mit Schulen, sozialen Organisationen und Bewegungen sowie Institutionen. Im gemeinsamen Prozess systematisieren wir Erfahrungen und eröffnen Horizonte für weiteres Lernen.
Unsere Teams bringen unterschiedliche und kritische Perspektiven ein. Unter dem Leitgedanken „uns im Anderen erkennen“ pflegen wir einen langjährigen Austausch mit Partner*innen in Berlin und an verschiedenen Orten auf der Welt. Über die enge Zusammenarbeit mit dem Paulo Freire Institut fließen Erfahrungen aus der internationalen Arbeit in unsere Projekte in Deutschland ein – zum Beispiel an Schulen und mit geflüchteten Menschen in Berlin.
Mehr zu unserer Arbeitsweise unter Angebote.
Paulo Freire Gesellschaft und Paulo Freire Institut
Die Paulo Freire Gesellschaft e. V. (PFG) ist eine Schwesterorganisation des Paulo Freire Instituts, mit dem wir in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten. Seit Gründung des Instituts in Berlin in den 1990er Jahren zielen wir darauf, von Erfahrungen aus dem Globalen Süden zu lernen und Räume für internationalen Dialog sowie für die Weiterentwicklung kritischer Pädagogik zu eröffnen. Mehr als zwei Jahrzehnte Austausch und Begegnung haben die Arbeit beider Organisationen geprägt und in vielen Ländern zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen an der Basis beigetragen.
Die dabei entstandenen internationalen Netzwerke sind in Freires Pädagogik verwurzelt, haben seine Ansätze aber weiterentwickelt: Feministische und dekoloniale Theorie und Praxis, indigenes Wissen sowie diskriminierungssensible, rassismuskritische und gemeinwesensorientierte Bildungsansätze ergänzen Freires Denken und helfen, aktuellen Herausforderungen der Bildungs- und Transformationsarbeit zu begegnen.
Paulo Freire und seine Ansätze
Paulo Freire wurde 1921 in Brasilien geboren und arbeitete in den Favelas von Recife in der Erwachsenenbildung. Dort erlebte er, wieviel Wissen und Erfahrung Menschen besitzen, die als „unwissende Analphabet*innen" gelten – und was er die „Kultur des Schweigens" nannte: die verinnerlichte Vorstellung eigener Unwissenheit, aus der Passivität angesichts der Machtverhältnisse, Vereinzelung, Beschämung und Schweigen über ungerechte Strukturen folgten.
Gemeinsam mit seiner Frau Elza regte er dialogische Bildungsprozesse an, die Menschen nicht nur Lesen und Schreiben vermitteln, sondern ihnen ermöglichen sollten, ausgehend von ihren eigenen Lebenserfahrungen eine kritische Perspektive zu entwickeln. Ziel war eine Bewusstseinsbildung (conscientização), die Menschen befähigt, als mündige Bürger*innen für ihre Rechte einzutreten und so zur Demokratisierung der Gesellschaft beizutragen.
Nach dem Militärputsch 1964 musste Freire Brasilien verlassen. Im chilenischen Exil verfasste er die Pädagogik der Unterdrückten (1968). Er lehrte an Universitäten in Chile und den USA, beriet den Ökumenischen Weltkirchenrat und Regierungen in Lateinamerika und Afrika zur Alphabetisierung und Lehrer*innenausbildung. 1989 kehrte er nach Brasilien zurück und setzte sich als Bildungsstadtrat von São Paulo (1989–1991) für die demokratische Umgestaltung des autoritären Bildungssystems ein. Kurz vor seinem Tod 1997 vollendete er die Pädagogik der Autonomie, die seine zentralen Ideen zusammenfasst: Bildung als ethische Herausforderung, empathisches Zuhören, gesellschaftliche Erinnerungsarbeit, die Überwindung der Kultur des Schweigens und die Anerkennung von Vielfalt als Grundlagen sozialer Gerechtigkeit.